Tradition

Über 100 Jahre Spedition Döhler

Bereits 1902 fasste Albert Döhler den Entschluss die ständig zunehmenden Gespanndienstleistungen für die Industrie zum Haupterwerbszweig seines bis dahin auf landwirtschaftliche Produkte ausgerichteten Betriebes zu machen und gründete am 7. Juni die Spedition Albert Döhler. Schon damals zählten mehrere Gespanne und stattliche 24 Zugpferde zum Besitz der Firma. Nach dem ersten Weltkrieg traten die Söhne Otto und Max in den elterlichen Betrieb ein.

Die Anforderungen an das Transportgewerbe stiegen in den 20er Jahren ständig. Die Erkenntnis von Albert Döhler, dass mit Hilfe von LKW´s im Vergleich zum Pferdegespann das Verhältnis von Volumen, Stückelung, Gewicht, Entfernung, Zeit und Preis sich optimaler gestalten lässt war ausschlaggebend für die Überlebensfähigkeit des Unternehmens und für die langfristige Sicherung des Auftragsbestandes. Und so kaufte die Firma auf intensives Drängen des Sohnes Otto 1929 ihren ersten 5 Tonnen LKW mit 65 PS vom Typ Daimler Benz. Bis 1935 löste der weitere Zukauf von LKW der Marke Mercedes Schritt um Schritt Pferd und Wagen ab.
Die Kriegsdienstverpflichtung der Söhne und Fahrer mit anschließender Gefangenschaft und die nahezu komplette Requirierung von fünf Firmenfahrzeugen brachten erhebliche Schwierigkeiten für den weiteren Fortbestand der Spedition Döhler mit sich. Vom Willen bestärkt das Erschaffene zu erhalten, setzte sich der Firmengründer mit seiner Tochter Paula hinter das Lenkrad des noch letzten verbliebenen LKW. Lebensmittelmarken, Bezugsscheine, Schwarzmarktpreise und Repressalien für Unternehmer durch die Gesetzgebung der Sieger und der Totalverlust des Fuhrparks, so könnte man die Ausgangssituation 1945 beschreiben.

Stationen mit Grenzen

Fahrgestelle, Reifen, Motoren, Fahrerhäuser, Verkabelung und vieles mehr waren erforderlich, um aus alten von der Wehrmacht zurückgelassenen LKW-Wracks wieder einsatzfähige Fahrzeuge herzustellen. Mit dem Aufbau verschiedener Lastwagen war der Grundstein für den weiteren Fortbestand der Firma gelegt. Mit der Heimkehr der Söhne aus der Kriegsgefangenschaft 1949 wurde die Last und Verantwortung für das Unternehmen wieder auf mehrere Schultern verteilt.

Engagierte Mitarbeiter versetzten Berge. 1964 trat Sohn Frank Döhler, gelernter Kfz-Elektriker, an die Stelle des verstorbenen Vaters Otto Döhler in die Firma ein. Nach dem Ableben des Firmengründers 1968 wurde der Betrieb durch die Geschwister Max und Paula sowie den heutigen alleinigen Inhaber Frank Döhler, der 1975 seine Qualifikation als Verkehrsmeister abschloss, erfolgreich geleitet.
In den Folgejahren bis 1989 waren fünf Skoda-Lastzüge, der „Mercedes Benz der DDR“, im Bestand der Firma. In Folge der politischen Missverhältnisse und der sprichwörtlichen Mangelwirtschaft in der DDR war der Eigenbau von Fahrzeugen und das Beschaffen von Ersatzteilen sowie das Unterlaufen der Dieselkraftstoff-Kontingente unabdingbar für das Überleben der Spedition Döhler. Um nicht in die Situation der Zwangsverstaatlichung zu kommen war jeder Besitzer von Produktionsmitteln gut beraten die Größe seines Unternehmens in den gerade noch geduldeten Toleranzfeldern zu halten.
Trotz aller Schwierigkeiten spezialisierte sich die Spedition Döhler vor allem auf den sogenannten Fernverkehr innerhalb der Grenzen der damaligen DDR. Stahl- und Schwertransporte gehörten ebenso zum Leistungsspektrum der ausschließlich mit Skoda-Fahrzeugen arbeitenden Firma.

Auf dem Weg in die Zukunft

Am 10. Mai 1990, das heißt noch vor der Währungsunion, rollte der erste nach über 50 Jahren zum ersten mal vom Band gekaufte Mercedes 1748 unter bewegter Anteilnahme aller Belegschaftsmitglieder auf das ehemalige Speditionsgrundstück Ernst-Bauch-Straße 11 in Aue. Mit der politischen Wende 1989 war dem Firmeninhaber bewusst, dass alles in den letzten Jahrzehnten mühevoll Aufgebaute unter den neuen Verhältnissen der Marktwirtschaft nur noch eine ideelle Wertgröße verkörperte.

Und trotzdem bildete der veraltete Fuhrpark die Basis und damit die Vorraussetzung für die schrittweise Erneuerung des Fahrzeugbestandes der Spedition. Nach der Grenzöffnung begann die gezielte Aquise von Kunden in den Alt-Bundesländern. Das enorme Transportaufkommen zumeist von West nach Ost begünstigte die Bemühungen um die Erweiterung des Kundenstammes. Nachteilig wirkte sich der Wegfall vieler ortsansässiger Gewerbe- und Industriebetriebe auf das Tonnage-Aufkommen für das Speditionsgewerbe am Standort aus. Der lang ersehnte Einzug der Marktwirtschaft im Beitrittgebiet brachte neben vielem Positivem natürlich auch die negativen Seiten der freien Marktwirtschaft und deren Wirkungsmechanismen zum tragen. Preisverfall für Transportentgelte, oft nicht nachvollziehbare staatliche Förderung und Subventionen von Unternehmen mit Sitz in Westdeutschland sowie Glücksritter und Hasardeure wirkten auch Anfang der 90er Jahre negativ auf die Entwicklung der Spedition Döhler. Ende der 90er Jahre fand der Konsolidierungsprozess durch die Stabilisierung einiger traditioneller Unternehmen und der Gründung neuer Betriebe sein Ende und die Wirtschaft erholte sich in einem über mehrere Jahre dauernden Prozess. In den zurückliegenden 18 Jahren wurden durch die Firma Döhler Investitionen in Höhe von zirka vier Millionen Euro getätigt.

Zukunft wird Realität

Mit dem Erwerb des über 24.000 Quadratmeter großen Speditionsgrundstückes „Buchenberg“ war der Grundstein für die erfolgreiche Entwicklung der Spedition Döhler gegeben. Waschanlage, Radgreifer, Gleisanschluss, Kommissionierungs- flächen und Lagerkapazität sowie die modernste Distributionstechnologie machten in den 90er Jahren aus der Spedition Döhler ein modernes Logistikunternehmen.
Die Spedition Döhler stellt sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Mit dem Zukauf einer weiteren befahrbaren Halle wurden erste Vorraussetzungen geschaffen, um das Leistungsspektrum für ausgewählte Kunden zu erweitern. Zukünftig wird der Kunde sein Finalprodukt mittels GPS-überwachter Sendungsverfolgung über die Spedition Döhler erhalten.
Die Zukunftsfähigkeit einer Firma hängt nicht allein nur von der modernsten Technologie ab, maßgeblich, und dies traf und trifft in erster Linie auch für die Spedition Döhler zu, sind hoch motivierte und bestens qualifizierte Mitarbeiter.